Bild: „Sie passt sich nicht der Anzugswelt an“

Ramona Pop_Foto Frank Senftleben„Weiblich, politisch, Berlin“ Folge 1: Ramona Pop, Fraktions-Chefin der Grünen. Von SOLVEIG RATHENOW

Es gibt die Kanzlerin, Ministerinnen, Senatorinnen. Frauen sind in der Politik angekommen. Aber für ihre Posten mussten sie oft härter kämpfen als Männer. In der neuen BILD-Serie erzählen Berliner Politikerinnen von ihrem Weg nach oben, von Kindern, Karriere und Quote.

Berlin – Etwas wacklig ist Ramona Pop (35), als sie ins Ruderboot steigt. Sonst geht die Fraktionschefin der Grünen am Tegeler See lieber spazieren oder schwimmen.

Trotzdem steuert sie beherzt auf den See hinaus. Herausforderungen ist Ramona Pop gewöhnt. Seit zehn Jahren sitzt sie im Berliner Parlament, seit vier Jahren als Fraktions-Chefin, in Doppelspitze. Im Plenum ist sie berüchtigt für ihre Kampfreden, in denen sie auch den Regierenden Wowereit hart angeht.

„Mir sagen viele nach meinen Reden: ‚Das war ja ganz schön heftig.‘ Aber es ist nicht mehr, als bei den männlichen Kollegen“, sagt Pop. Es sei manchmal schwierig, wenn Frauen in der Politik Härte zeigten. „Da werden deutliche Worte schneller als unangemessen empfunden.“

Sie trägt keine Hosen, tritt immer in Kleid oder Rock auf. „Nur weil ich Politik mache, muss ich mich nicht der Anzugwelt anpassen. Ich kann als Frau ein Kleid anziehen und trotzdem für die Quote sein.“

Durch ihren Look habe sie auch Vorteile: „Weil ich auf den ersten Blick harmlos aussehe, bin ich häufig unterschätzt worden.“ Mittlerweile schätze sie den Überraschungseffekt.

Dass eine Frau sich selbst versorgen kann, brachte ihr die Mutter bei. 1988 zog sie mit der 11-jährigen Ramona und den Großeltern von Rumänien nach Münster. Dort arbeitete sie als Chemikerin. Die Tochter schickte sie erst mal auf eine Mädchenschule, aus Angst, sie könne sich gegen Klassenkameraden nicht durchsetzen. Fürs Abitur wechselte Pop auf ein gemischtes Gymnasium. In Mathe schrieben die Jungs von ihr ab.

Bei den Grünen trat sie ein, weil sie die vielen Frauen an der Spitze faszinierten. In Berlin schaffte sie 2001 als jüngste Abgeordnete den Sprung ins Parlament. „Es war kein Plan meines Lebens. Politik passiert einfach“, sagt Pop.

Für Kinder blieb bislang keine Zeit. „Politik ist kein familienfreundlicher Betrieb. Es geht bis in den Abend, dazu Wochenendtermine.“

Ihre Zeit könnte noch knapper werden. 2016 will sie mit den Grünen das Rote Rathaus erobern. Natürlich im Kleid.

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