Morgenpost: Berlins Grüne lassen SPD deutlich hinter sich

BerlinTrend vom 9.09.2010 von Joachim Fahrun
Alle Parteien haben in der Kunst der Wähler eingebüßt – nur die Grünen haben gewonnen. Der neue BerlinTrend ergab, dass heute 28 Prozent der Beriner Wähler für die Grünen stimmen würden. Renate Künast läge vor Klaus Wowereit. Stark sind die Grünen schon seit einigen Monaten – aber so stark wie im September waren sie in Berlin noch nie. Würde am Sonntag gewählt, wäre die im aktuellen Abgeordnetenhaus noch zweitkleinste Oppositionspartei nun die mit Abstand stärkste politische Kraft. Im BerlinTrend der Berliner Morgenpost und der rbb-„Abendschau“ haben die Grünen SPD und CDU deutlich hinter sich gelassen. Die mögliche Spitzenkandidatin der Ökopartei, Renate Künast, läge bei einer Direktwahl des Regierenden Bürgermeisters klar vor dem Amtsinhaber Klaus Wowereit von der SPD.

Bei der Wahl zu einem neuen Abgeordnetenhaus kämen die Grünen derzeit auf 28 Prozent. Das sind fünf Punkte mehr als beim letzten BerlinTrend im Juni 2010. Während die Grünen deutlich zulegten, büßten alle anderen Parteien an Zustimmung ein. Die SPD erreicht in der Umfrage von Infratest dimap unter 1000 wahlberechtigten Berlinern 24 Prozent, einen Punkt weniger. Das Zwischenhoch der CDU, die im Juni mit 25 Prozent im Vergleich der vergangenen Jahre relativ gut abgeschnitten hatte, ist nach dem Verlust von drei Punkten vorüber. Die Union landet bei 22 Prozent auf Platz drei. Die Linke folgt mit 16 Prozent (minus 1). Die FDP würde mit vier Prozent (minus 1) den Einzug ins Landesparlament verfehlen. Die sonstigen Parteien vereinen sechs Prozent auf sich.

Die Meinungsforscher erhoben die Daten telefonisch zwischen dem 3. und dem 6. September. Die Wähler hatten also Gelegenheit, sowohl die Debatte um Thilo Sarrazin als auch die Versuche des Ausschlusses durch die SPD für ihre politischen Präferenzen zu berücksichtigen.
Grüne legen auch bundesweit zu

Auch bundesweit gewinnen die Grünen überraschend schnell Wähler hinzu. In Baden-Württemberg etwa erreicht die Partei ein halbes Jahr vor der Landtagswahl laut einer Umfrage von Infratest dimap das Rekordergebnis von 27 Prozent. Die SPD kommt dagegen nur auf 21 Prozent. Grund ist höchstwahrscheinlich die Debatte um das umstrittene Bauprojekt Stuttgart 21.

In Berlin kam es vor allem im Westen der Stadt zu massiven Veränderungen. Die Grünen verzeichneten hier ein Plus von sieben Prozentpunkten und liegen mit 32 Prozent sechs Punkte vor der CDU (26 Prozent, minus vier im Westen). Die SPD kommt in West-Berlin mit 25 Prozent auf Platz drei. Im Osten liegt die Linke mit 29 Prozent (minus 1) vorne, gefolgt von SPD (unverändert bei 23 Prozent), Grünen (plus eins auf 21) und CDU (unverändert bei 17 Prozent).

Wenn es eine Direktwahl des Regierenden Bürgermeisters gäbe, hätte Renate Künast die besten Chancen. 43 Prozent der Befragten würden die grüne Bundestags-Fraktionschefin wählen, die sich jedoch erst im November für oder gegen eine Spitzenkandidatur entscheiden will. Damit konnte die Schönebergerin im Vergleich zum Juni noch einmal um einen Punkt zulegen. Wowereit käme auf 37 Prozent, seit Juni verlor er sechs Prozentpunkte. Gerade einmal 16 Prozent gaben an, sie würden keinen von beiden zum Regierenden Bürgermeister wählen.

Als der BerlinTrend im März erstmals nach einem Duell Künast gegen Wowereit fragte, lag der Amtsinhaber noch acht Punkte vor der Grünen. Im Frühsommer gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich jetzt in einen deutlichen Vorsprung Künasts verwandelt hat.

Auffällig ist zudem, dass auch viele SPD-Wähler bei einer Direktwahl die Grünen-Chefin dem eigenen Kandidaten vorziehen. 35 Prozent der SPD-Anhänger gaben an, Künast dem Amtsinhaber Wowereit vorzuziehen. Für Wowereit machten sich 52 Prozent der SPD-Wähler stark. Die Grünen-Anhänger stehen hingegen zu 80 Prozent hinter Künast.

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